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Tuesday, 11. August 2020  
 
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«Giro E», der «Giro d’Italia» für E-Bikes PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stephan Gubler   
Monday, 24. February 2020

Elektrisierende Emotionen in Bella Italia

 

Die Organisatoren der grossen italienischen Radrundfahrt haben den Trend der Zeit erkannt. Dieses Jahr trugen sie erstmals eine Tour für E-Bikes aus. Stephan Gubler nahm auf Einladung für «jetzt» an drei Etappe teil.

Der «Giro d’Italia» gehört neben der «Tour de France» und der «Vuelta a Espagna» zu den Radsportmonumenten. Bereits zum 102. Mal fand dieses Jahr die dreiwöchige Italienrundfahrt statt. Den Profis und ihren 6.8 Kilogramm leichten Rennrädern wird auch bei dieser Austragung wieder alles abverlangt. Natürlich sind die Hersteller dieser ultraleichten und sündhaft teuren Rennvelos immer bemüht, ihre Produkte möglichst weit vorne zu sehen, damit sich dies positiv in Verkäufen bei den Hobbyfahrern auswirkt. Aber in den letzten Jahren gehörte kein Rennrad, kein City- oder Mountainbike zu den Bestsellern bei den Velohändlern. Klarer Verkaufshit sind die E-Bikes. Nach den City- und Tourenvelos mit Elektro-Antrieb gibt es bei den E-Mountainbikes einen regelrechten Boom. Seit kurzem schiessen jetzt auch E-Rennräder wie Pilze aus dem Boden. Die Organisatoren des Giro haben diesen Trend frühzeitig erkannt und bereits letztes Jahr den «Giro E» ins Leben gerufen. 2019 wird nach dem letztjährigen Versuchsballon richtig ernst gemacht. 10 Teams mit je 6 Fahrern legen Teilstücke derselben 18 Etappen zurück, welche die Profis ein paar Stunden später ohne Motor zu bewältigen haben.



Ich darf für «jetzt» exklusiv an drei Etappen mitfahren und erlebe dabei am eigenen Leib, dass der Giro auch mit elektronischem Rückenwind kein Picknick ist. Eingeladen von der Italienischen Zentrale für Tourismus (ENIT), ist das Ziel, neben der Zielflagge jeweils auch das Gebiet, welches wir mit unseren E-Rennrädern durchqueren, kennenzulernen.

 


Stephan Gubler beim Einschreiben für die Etappe

 

 

Aus diesem Grund wähle ich das Veltlin mit der Königsetappe über den berühmt berüchtigten Mortirolo als Startort. Der Wettergott meint es leider nicht besonders gut mit uns und lässt uns den 1852 hohen Pass im Nieselregen und bei Kälte erklimmen. Nach etwas mehr als einer Stunde schaffen wir dank maximal 250 Watt Unterstützung den über 10% steilen Anstieg. Das ist mehr als eine Viertelstunde länger, als Marco Pantani bei seiner Rekordfahrt (ohne Motor) benötigte. Allerdings brachte der «Pirat» zusammen mit seinem Bianchi Rennrad gerade mal 65 Kilogramm auf die Waage. Mein Pinarello Nytro E-Rennrad wiegt stolze 13 Kilo und zusammen mit mir sind das dann über 90 Kilogramm, die den Berg hinaufbefördert werden müssen. Scheibenbremsen sei Dank bringe ich die Abfahrt mit den zahllosen Serpentinen ohne Zwischenfall und die restlichen Kilometer bis nach Ponte di Legno relativ entspannt hinter mich. Von da werden wir nach Bolzano, den Startort der nächsten Etappe, gefahren. Dort wird nur von rund 23 Prozent der Bevölkerung italienisch, von über 65 Prozent deutsch und vom Rest ladinisch gesprochen. Das zu Deutsch genannte Bozen liegt im Südtirol, in einem Tal inmitten hügeliger Weinberge sowie Apfelplantagen und gilt als Tor zur Gebirgskette der Dolomiten in den italienischen Alpen.

 

Genau dorthin, also in die Dolomiten, führt unser Weg am nächsten Tag. 111 Kilometer und über 1400 Höhenmeter gilt es zurückzulegen, bevor wir in Antholz ankommen. Auf dem langen Weg habe ich Zeit, die Fahrräder meiner Konkurrenten etwas genauer zu studieren. Dieses Jahr sind bereits sechs Hersteller mit ihren E-Rennrädern am Start. Neben Pinarello sehe ich Marken wie De Rosa, Olmo, Trek, Focus und Epowers. Ebenso spannend wie die Räder sind die unterschiedlichen Motorenkonzepte. Besonders klein, leicht und effizient sollen sie sein. Und dasselbe gilt vor allem auch für die Akkus. Sie sind, wie bei den E-Mountainbikes auch, immer noch der Grund, weshalb E-Bikes noch zu schwer sind. Auch an der Reichweite muss noch gearbeitet werden. Wenns wirklich in die Berge geht, sind Touren von mehr als 100 Kilometern nicht möglich, ohne einen Ersatzakku mitschleppen zu müssen.

Von Antholz, italienisch Anterselva genannt, geht’s nach Cortina d’Ampezzo. Ja, die Gemeinde in der Provinz Belluno im Veneto ist als Ski-Ressort weltbekannt. 1956 fanden dort die olympischen Winterspiele statt und an einer Kandidatur für Olympia 2016 wird fleissig gearbeitet. Dazwischen geht 2021 die Alpine Skiweltmeisterschaft über die Bühne. Im Sommer ist Cortina aber auch paradiesisch für Biker und Gümmeler. Inmitten der Dolomiten können Höhenmeter bis zum Abwinken erklommen werden.

 

 

Am dritten und für mich letzten Tag geht’s von Cortina bis fast nach Venezia. Endlich zeigt sich die Sonne! Für Sonne im Herzen sorgen auch an diesem Tag viele Tausende Zuschauer am Strassenrand, die auch uns wie die Profis anfeuern.
Trotz mehrerer Tausend Trainingskilometern fühlen sich meine Beine nach diesen Drei Tagen trotz E-Rennrad müde, ja richtig «geschlaucht» an. Einmal mehr wird klar, dass Elektromotoren nicht für den Vortrieb sorgen, sondern wirklich nur beim in die Pedalen treten an Steigungen unterstützen. Fährt man über 25 km/h, was geradeaus meistens der Fall ist, gibt es keinen Zusätzlichen Schub.

Mein Fazit nach drei Tagen Giro E: Dass die Veranstalter nicht auf Tradition beharren, sondern auch auf die Zukunft setzen, finde ich lobenswert. Genau dieser Mix zwischen Alt und Neu ist es, der das Salz in der Suppe ausmacht. Ebenso beeindruckt hat mich ein weiteres Mal Italien. Das Land ist wie eine Wundertüte und überraschte mich mit wunderschönen Regionen, die ich noch nie bereist hatte. Dass ich während diesen anstrengenden Tagen nicht ab-, sondern zugenommen habe, ist ein weiterer Beweis dafür, wie gut unsere Nachbaren für mein körperliches Wohl gesorgt haben. Grazie mille e a presto!

 

Bozen – Erlebnis zwischen Nord und Süd


Bozen, Foto: Alex Filz

 

Die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen ist das Zentrum der Ferienregion Südtirols Süden. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Eisack, Etsch und Talfer in einem weiten Talkessel, der sich zu den Dolomiten hin öffnet.
Im Osten beherrscht der sagenumkränzte Rosengarten den Blick. Der Bergstock ist ein Symbol für die Stadt, gleich wie die Rebanlagen, die gut ein Siebtel des Stadtgebietes ausmachen. Von Bozen weg schwingen sich drei Bergbahnen auf den Ritten, nach Jenesien und Kohlern. Über eine gut ausgebaute Strasse ist auch das Sarntal in wenigen Minuten erreichbar.

Heute ist Bozen ein lebendiger Treffpunkt von Nord und Süd. Deutsche und Italiener leben friedlich zusammen und bereichern sich gegenseitig.

«Bozner dolce vita» ist eine berauschende Mischung aus deutscher Gründlichkeit und italienischem Charme. Sanfte Mobilität spielt ebenso eine Rolle wie Innovation. Bozen zählt zu den fahrradfreundlichsten Städten in Italien. 52 Kilometer Velowege vernetzen die einzelnen Stadtviertel.
www.bolzano-bozen.it


Bozen, Foto: Alex Filz

 

Cortina mit Mountainbike, E-Bike oder Rennrad


Cortina d'Ampezzo, Foto: Ute Dandrea


In Cortina d’Ampezzo kommen alle Zweiradfans voll auf ihre Kosten, denn das Angebot umfasst Streckenführungen für jedes Fahrlevel: Von familiengerechten Radwegen bis hin zu extremen Downhill-Trails. Alle Radwege und Trails sind gut ausgeschildert und detailliert in unseren Radkarten und Broschüren beschrien. Für Downhill-Fans gibt es einen Bike-Pass für die Nutzung der Bergbahnen mit dem Mountainbike. Mit dem E-Bike sind selbst die anspruchsvollsten Strecken allen zugänglich. In Cortinas Sportgeschäften kann man elektrische Mountainbikes der neuesten Generation mieten. So kommt man ohne allzu grosse Mühe umweltschonend hoch hinauf. Die hiesigen Sportverbände vermitteln Bike-Lehrer und
Bike-Führer.

Leidenschaftliche Strassenradfahrer können in den Dolomiten im Fahrwasser der Radprofis des Giro d’Italia die Pässe und Strecken abfahren, die in die Geschichte des internationalen Radsports eingegangen sind. Es bieten sich 5 Pässe an, ganze 700 km traumhaft schöne Dolomitenstrassen, auf denen unvergessliche Radrennen ausgetragen wurden: der Tre Croci Pass, der zu den berühmten Drei Zinnen führt; der Cimabanche-Pass auf der malerischen Strecke zwischen Cortina und Toblach; der Falzarego-Pass, wo Fausto Coppi 1946 vor Gino Bartali durchs Ziel fuhr; der Giau-Pass, den der grosse spanische Bergfahrer Josè Manuel Fuente 1973 als erster überquerte; der Pordoi-Pass mit Cima Coppi, der ganze 13 Mal der höchste Punkt des Giro d’Italia war. Man kann sieben verschiedene Touren fahren, alle mit Start und Ankunft im Zentrum von Cortina d’Ampezzo: Cortina-Toblach klassisch, Comelico-Tour, Cortina-Canazei, Tour der sechs Pässe, Gader- und Pustertal-Tour, Tour durch das Agordino-Gebiet, Cortina – Drei Zinnen.

 
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