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Geschrieben von Administrator   
Monday, 10. December 2018

Glühender Wein

Endlich ist wieder Glühwein-Zeit. Er wärmt von aussen erfrierende Finger und von innen die Seele und den Bauch. Weinkenner rümpfen dabei gerne die Nase und meinen,  das süsse Gemisch habe mit Wein wenig zu tun.

Das Lexikon der Önologie bezeichnet Glühwein sogar als «weinähnliches Getränk», kaum ein Lob für den Wein darin.  Dabei ist die Geschichte des Glühweins sehr alt, schon in der Antike wurde Wein gewürzt. Die Idee dazu hatten wohl die alten Griechen, ein erster Beleg findet sich als Rezept bei den Römern, der «Conditum paradoxum» des Apicius. Gewürzt wurde der Wein mit Honig, Kräutern, Obst oder Gewürzen, das machte ihn feiner und durch den zusätzlichen Zuckergehalt auch länger haltbar.

Im Mittelalter wurden die gewürzten Weine zu einem regelrechten Statussymbol, die damals sehr seltenen Gewürze aus fernen Ländern konnten sich nur reiche Menschen leisten. Die Weine wurden als wahre Kostbarkeit gehandelt, nicht selten wurde die gesellschaftliche Anerkennung eines Gastgebers daran gekoppelt, wie viel Würzwein bei Festen gereicht wurde. Mit der Zeit wurde es üblich, in den kalten Monaten heisse Steine in den Trunk zu werfen oder einen glühenden Feuerhaken hineinzuhängen – der Glühwein war geboren. Wer ihm in der kommenden kalten Jahreszeit die Ehre antut, der sollte ihn so geniessen, wie er gedacht war: Nicht als Fertigkonzentrat sondern aus einem guten Rotwein selbst hergestellt. Zum Wein kommen Kandiszucker, Zimt, Sternanis, wenig Nelken und eine Scheibe Zitrone. Und wer ihn nach Römer Art ausprobieren möchte: hier noch das 2000 Jahre alte Rezept des Apicius, der «conditum paradoxum», der «erlesene Würzwein». Auf fünf Liter Wein kommt ein Liter Honig, dazu 30 Sternanis, drei Stangen Zimt, Lorbeer, Nelken, Koriander und Thymian.

 
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